Weideparasiten kontrollieren - Entscheidungsbaum für die Praxis erstellt
In der ökologischen Weidehaltung von Wiederkäuern sind Infektionen mit Magen-Darm-Parasiten und Lungenwürmern unvermeidlich. Ein geschicktes Weidemanagement, zusammen mit Entwurmungen und Kontrollen der Eiausscheidung können die Mengen der verabreichten Arzneimittel optimieren. Die Entwicklung eines internet-basierten Entscheidungsbaumes für die Kontrolle der Endoparasiten, anzuwenden durch den Landwirt und den Tierarzt, soll den betrieblichen mehrstufigen Entscheidungsprozess mit mehreren Alternativen unterstützen.
Warum
Der Befall mit Magen- Darm- Strongyliden (MDS) stellt in der Weidehaltung bei Schafen und Ziegen ein verbreitetes Problem dar und führt zu erheblichen wirt- schaftlichen Verlusten. Trotz Einsatz von Anthelminthika ist es nicht gelungen die Magen Darm Strongyliden zurück zu drän- gen. Es ist bekannt, dass weltweit vermehrt Resistenzen gegen Anthelminthika auftreten. Ein Ansatz der Bekämpfung der Magen- Darm-Strongyliden liegt darin, durch ein auf Biologie und Epidemiologie der Trichostrongyliden abgestimmtes Weidemanagement den Infektionsdruck auf den Weiden so zu senken, dass es nicht zu klinischen Erkrankungen kommt ( Russell 1949; Brunsdon 1980; Eysker, Ploeger 2004).
Die weidetechnischen Maßnahmen werden durch ein Parasiten- monitoring, d.h. eine regelmäßige Kotprobennahme auf der Weide und entspre- chende Behandlungen mit Anthelminthika zum optimalen Zeitpunkt begleitet (Ploeger 2008). Durch die Nutzung des Ent- scheidungsbaumes soll die Belastung der Weiden mit MDS langfristig gesenkt werden, eine belastbare Immunität bei den Tieren entstehen und der Gebrauch von Anthelminthika verringert werden. Schafe und Ziegen entwickeln eine Immunität gegen MDS nur bei ständigem moderatem Parasitenkontakt über einen längeren Zeit- raum (Schnieder 2002). Eine ständige Behandlung mit Anthelminthika ist nicht zu empfehlen, da Resistenzen der MDS gefördert werden und die Entwicklung einer Immunität unterdrückt wird. Zudem ist laut der EU-Ökoverordnung der Einsatz von allopathischen Mitteln möglichst gering zu halten.
Für Wurmmittel gibt es zwar keine Beschränkungen des Einsatzes, aber der prophylaktische Einsatz ohne vorherigen Einachweis im Kot ist nur erlaubt, wenn nachweislich generell ein Parasitenproblem in der Herde vorliegt. Nach Rahmann (2010) ist ab einer EPG> 500 eine Behandlung mit Anthelminthika angeraten.
Ein wichtiger präventiver Faktor bei einer Abwehr gegen Infektionen auch durch Parasitenlarven bleibt neben den weidetechnischen Maßnahmen und Behandlungen mit Anthelminthika die Konstitution und der allgemeine Gesundheitszustand der Schafe und Ziegen. Die folgenden Maßnahmen können die natürliche Abwehr in der Herde optimieren:
- Ausreichende Versorgung der Schafe und Ziegen mit Nährstoffen, Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen
- regelmäßige Kontrolle des Gesundheitsstatus in der Herde
- Regelmäßige Kontrolle des Parasitenstatus auf der Weide durch Kotprobennahme
- Vermeiden von zusätzlichen Stressen, wie z.B. durch rechtzeitige Behandlung von Lahmheiten oder Einrichten von Unterständen bei nasskalter Witterung
- Bei längeren Frostperioden sollten neugeborene Lämmer und Lämmer bis zu 12 Wochen aufgestallt sein
- Bei Fehlen einer Aufstallmöglichkeit sollten die Geburten auf mindestens Anfang März verlegt werden
- Merzen von Tieren, die wiederholt stark von MDS befallen werden, da diese die Weiden immer wieder kontaminieren.
Als Maßnahmen des Weidemanagements zu einer Verringerung der Weiden mit MDS wären zu nennen:
- Abstimmen der Weideplanung auf Sai- sondynamik der Entwicklungszyklen der MDS
- Austrieb auf unbelastete Weiden, die bestenfalls vorher gemäht wurden
- Austrieb nach Trocknen des ersten Taus
- Verwendung von Nachtpferchen 80
- Vorausschauende Weideplanung
- Weidewechsel nach 3 Wochen. Mindestens 12 Wochen Weideruhe
- Zwischenbeweidung mit Pferden oder Eseln oder Nutzung zur Heugewinnung
- Keine Verfütterung von frischer Mahd von belasteten Weiden
- Keine Verwendung von unter einem Jahr alten Schaf- und Ziegenmist auf Weiden
Die Erstellung eines Weidekalenders, der die Saisondynamik und die Entwicklungszeiten der Magen-Darm Strongyliden berücksichtigt, erfordert einige Erfahrung und wird je nach Lage des Betriebes und Größe und Anzahl der Weiden, sowie des Tierbestandes unterschiedlich ausfallen.
Flankierende Maßnahmen, wie regelmäßige Kotuntersuchungen auf Eizahlen und eventuell nötige Anthelminthikabehandlungen müssen richtig terminiert werden.
Um dem Tierhalter die Möglichkeit zu geben, ein auf seinen Betrieb speziell zu- geschnittenes Parasitenmanagement zu erstellen kann ein interaktiver Entscheidungsbaum so wie für Rinder bereits exis- tiert auch für Schaf- und Ziegenhalter eine Unterstützung sein. Anhand von Ja/Nein- Fragen zum betrieblichen Weidemanage- ment können verschiedene Betriebsabläufe dargestellt werden. Die entsprechenden Antworten führen den Benutzer nach und nach zu empfohlenen Maßnahmen um die Parasitenbelastung in der Herde einzu- dämmen. Das Weidemanagement kann entsprechend nachgebessert werden.
Der Entscheidungsbaum soll zusammen mit den ihn begleitenden Informationen dazu dienen, Erkrankungen durch Magen- Darm Strongyliden zu vermeiden, eine Immunitätsentwicklung in der Herde zu fördern und Anthelminthika nur dort ein- zusetzen wo es unbedingt erforderlich ist. Zum besseren Verständnis der Zusammen- hänge enthält der Entscheidungsbaum Module und Informationen zu den Ent- wicklungszyklen der MDS, Klinik und Diagnose der Erkrankungen, Kontamination der Weiden, sowie anderen relevanten Themen wie Anthelminthikaeinsatz und anderen Ansätzen der Behandlung. Zu Nutzen ist der Entscheidungsbaum (z.Zt. erst für Rinder) unter der Adresse:
