Geschichte unserer Institusstandorte
Das Institut in Waldsieversdorf
1928 wurde im östlich von Berlin gelegenen Müncheberg das Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung gegründet. Der erste Direktor dieser Forschungseinrichtung war Prof. Dr. Erwin Baur, der den Grundstein für die jahrzehntelange erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit legte. Neben landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, Obst und Zierpflanzen wurden auch von Anfang an Forstpflanzen züchterisch bearbeitet. Unter dem ersten Abteilungsleiter Dr. Wolfgang v. Wettstein waren insbesondere schnellwachsende Baumarten wie Weiden- und Pappelarten sowie Birken wichtige Forschungsobjekte.
Gegen Ende des II. Weltkrieges mussten die Forschungsarbeiten eingestellt werden. Am 01.07.1946 wurde mit Unterstützung der damaligen sowjetischen Militärkommandantur die Abteilung Forstpflanzenzüchtung in das nur 5 km entfernte Waldsieversdorf verlagert und als ein Bereich der Zentralforschungsanstalt Müncheberg offiziell wieder eröffnet. Unter dem Abteilungsleiter Dr. Otto Schröck war eine der wichtigsten Aufgaben in der damaligen Zeit die Sicherung des umfangreichen Züchtungsmaterials, aber auch neue Aufgaben wurden in Angriff genommen.
Zum Institut gehörte ein 775 ha großes Versuchsrevier, in dem auch heute noch die Reste der vielen Versuchsanbauten mit den verschiedensten Baumarten aus der damaligen Zeit zu sehen sind. Für die notwendigen Aufforstungen nach dem Krieg wurden große Mengen an forstlichem Saatgut benötigt. Deshalb standen zunehmend Nadelbaumarten wie Kiefern, Fichten und Douglasie im Mittelpunkt der Arbeiten.
1951 wurde das Institut der neugegründeten Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, bereits ein Jahr später dem Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde angegliedert. Wechselnde Zuordnungen des Instituts für Forstpflanzenzüchtung, mal als eigenständige Einrichtung, mal als Außenstelle, setzten sich auch in den folgenden Jahren fort.
1968 übernahm Dr. Erhard Scholz die Institutsleitung. In diesen Jahren wurden verschiedene bauliche Erweiterungen auf dem Gelände vorgenommen. 1977 wurde das Institut erweitert und in die drei Abteilungen gegliedert: Grundlagen der Forstpflanzenzüchtung (Prof. Dr. J. Matschke), Züchtung (Dr. E. Scholz) und Sortenvermehrung (Dr. G. Bolland). In dieser Zeit begannen verstärkt die Forschungen zu den Auswirkungen der industriellen Luftverschmutzung mit biotechologischen, biochemischen und molekulargenetischen Methoden. 1980 übernahm Dr. Bolland die Leitung des Instituts, 1982 folgte ihm Prof. Dr. Norbert Kohlstock.
1990 unterstand das Institut kurzzeitig dem Land Brandenburg, bis es am 1. Januar 1992 als Institut für Forstpflanzenzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) angegliedert wurde. Die Fachgebiete, in denen geforscht wurde, waren Forstpflanzenzüchtung, Resistenzfroschung und Biotechnologie. Als Institutsleiter wurde Prof. Dr. Kohlstock berufen. Nach seinem Ausscheiden im Jahr 1998 wurde das Institut in Waldsieversdorf zusammen mit dem Großhansdorfer Institut für Forstgenetik zu einem gemeinsamen Institut für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung der BFH vereinigt. Prof. Dr. Hans Muhs leitete beide Institutsstandorte, die von da an eine gemeinsame Geschichte haben.
Das Institut in Großhansdorf
Das Institut wurde am 1. August 1948 gegründet und erhielt seinen Sitz im Arboretum Tannenhöft in Großhansdorf-Schmalenbeck. Dieses umfangreiche Arboretum, dass zwischen 1908 und 1916 von dem Hamburger Reeder Henry Lütgens in Zusammenarbeit mit dem Garteningenieur Rudolph Jürgens angelegt wurde, war damals ein wichtiger Grund für die Standortwahl des Instituts. Die Liegenschaft mit einer Gesamtgröße von 22 ha kam 1941 durch Kauf in den Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg. Zwischenzeitlich beherbergten die Gebäude das „Reichsinstitut für koloniale Bodenkunde und Kulturtechnik“ sowie in den letzten Kriegsjahren das Institut für anorganische Chemie der Universität Hamburg. Nach dem Krieg ergriff Forstmeister Dr. Wolfgang Langner die Initiative für die Errichtung einer Abteilung Forstpflanzenzüchtung am damaligen Zentralinstitut für Forst- und Holzwirtschaft, welches seinen Sitz im Schloß Reinbeck bei Hamburg hatte.
Die dendrologische Vielfalt des Arboretums Tannenhöft mit den dazugehörigen Gebäuden und Freiflächen bot damals einen einzigartigen Rahmen und die Basis für eine neue Abteilung für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung des Zentralinstituts. Zum ersten Direktor dieser Einrichtung wurde dann auch Prof. Dr. Wolfgang Langner benannt, der mit großer Energie und Initiative die Einrichtung aufbaute. Nachdem 1951 die Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) gegründet worden war, erlangte die damalige Abteilung den Status eines Instituts als neue Organisationsform (seit dem 26. Juni 1954).
Größere bauliche Veränderungen auf dem Gelände, und damit erweiterte und verbesserte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, erfolgten einige Jahre später mit dem Neubau des Laborgebäudes (1967/68) sowie dem Umbau der Villa und der Wirtschaftsgebäude (1968). Parallel dazu wurden Gärtnerei- und Baumschulflächen eingerichtet, aber auch Flächen für die Anlage von Versuchen und Klonquartieren geschaffen.
Nach dem Ausscheiden von Prof. Langner in den Ruhestand und einer kurzen Interimszeit, in der Dr. F. W. Seitz und anschließend Dr. S. Reck das Institut vertraten, wurde 1971 Dr. Georg Heinrich Melchior bis zu seiner Pensionierung 1988 neuer Institutsleiter. Ihm folgte 1989 Prof. Dr. Hans Muhs, der darüber hinaus vom Kollegium 1998/99 für eine zweijährige Amtszeit zum Leiter der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft gewählt wurde. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand übernahm 2004 Dr. Bernd Degen die Leitung des Instituts mit seinen beiden Standorten Großhansdorf und Waldsieversdorf.
Auf der Grundlage des Konzeptes des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für eine zukunftsfähige Ressortforschung wurde 2008 die Forschung im Geschäftsbereich des Ministeriums neu ausgerichtet und die Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) eingegliedert.


