Beifänge in der Stellnetzfischerei
Bei der Stellnetzfischerei werden Netze nicht geschleppt, sondern meist direkt auf den Meeresboden “gestellt” oder dort verankert, während die Netze selbst im Wasser schweben. Die bei dieser Methode meist eingesetzten Kiemennetze sind grundsätzlich eine sehr selektive Fangmethode. Denn in den Maschen der Netze sollen eigentlich nur Fische einer ganz bestimmten Größe mit ihren Kiemen hängen bleiben (daher der Name).
Aber die Netze bestehen meist aus so dünnem Material, dass sie nicht nur für Fische sondern leider auch für andere Tiere nahezu unsichtbar sind. Das kann dazu führen, dass sich zum Beispiel Schweinswale (Phocoena phocoena) oder tauchende Seevögel in den Netzen verfangen und darin ertrinken. Diese Beifänge sind von den Fischern nicht gewollt, können aber für die betroffenen Populationen von Seevögeln oder Meeressäugern, wie dem Schweinswal, eine Bedrohung darstellen, wenn zu viele Tiere dadurch sterben.
In der EU gibt es verschiedene Regularien, mit denen diese Beifänge verhindert oder zumindest verringert werden sollen. So ist in bestimmten Gebieten der Ostsee vorgeschrieben, dass Fahrzeuge, die länger als 12 Meter sind, sogenannte “Pinger” in die ausgebrachten Netze hängen. Diese Geräte senden Töne aus, mit denen Schweinswale vor den Netzen gewarnt werden sollen. Da aber diese Geräte auch zu einer Verlärmung der Meeresumwelt beitragen, können sie nur eine Zwischenlösung sein, bis alternative Fangmethoden oder andere Methoden entwickelt und eingesetzt werden, um diese Beifänge zu verhindern.
Für Seevogelpopulationen können Kiemennetze besonders dann gefährlich werden, wenn sie in Gebieten eingesetzt werden, in denen Seevögel in großen Zahlen rasten oder mausern. Viele dieser Gebiete sollen durch die EU-Vogelverordnung geschützt werden, in deutschen Meeresgebieten sind schon mehrere entsprechende Gebiete ausgewiesen worden.
Das vTI-OSF führt zu dieser Problematik Untersuchungen auf verschiedenen Ebenen durch. So sollen bessere Daten zum Fischereiaufwand und den Beifangraten der betroffenen Arten erhoben werden. Außerdem werden im vTI-OSF alternative Fangmethoden entwickelt und in der Praxis getestet, die möglichst geringe Beifangraten haben.
