Management lebender Ressourcen
Die Politik erwartet von der Ressortforschung, dass sie die verschiedenen Möglichkeiten für Managemententscheidungen neutral aufzeigt. Die Grundlage für diese Optionen in Bezug auf das Management lebender Meeresressourcen bilden die Berechnungen und Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Das OSF stellt derzeit den deutschen Vertreter im Ratgebenden Komitee des ICES (ACOM). Über die unmittelbare Erläuterung der Optionen hinaus zeigt die Wissenschaft aber Handlungsspielräume aus nationaler Sicht auf. Dem derzeitigen Zyklus der Gesetzgebung folgend, besteht der größte Beratungsbedarf für die Festsetzung der Höchstfangmengen für das jeweils folgende Jahr.
Zunehmend rücken aber längerfristige Perspektiven in den Focus der wissenschaftlichen Beratung. Das OSF ist intensiv an der Entwicklung und Evaluierung von Mehrjahres-Bewirtschaftungsplänen beteiligt, z.B. für die beiden Dorschbestände der Ostsee. Die Schwerpunkte der nationalen Forschung, z.B. zum Laichzeittiming, zur Bestandstrennung und zu Fischereitechnischen Fragestellungen, kann hier in den europäischen Kontext eingebracht werden.
Das bisherige Fischereimanagement bedarf in einigen Punkten der Fortentwicklung. Dies gilt insbesondere für die Ostsee, die sich wegen der vergleichsweise einfachen Struktur des Ökosystems, der besonderen Bedeutung der Umwelteinflüsse und der Abgeschlossenheit besonders als Testgebiet für Veränderungen eignet. Zu den Schwerpunkten der Arbeiten des OSF auf diesem Gebiet gehört z.B. die Entwicklung eines Managements für die Freizeitfischerei oder Überlegungen, wie die im Rahmen der anstehenden Reform der gemeinsamen Fischereipolitik vorgesehene Regionalisierung des Fischereimanagements praktisch umsetzbar wäre.
Ferner wird verstärkt nach alternativen Managementansätzen gesucht und hierzu Pilotstudien angestoßen. Zu diesen Ansätzen zählen Möglichkeiten der Vermeidung von Rückwürfen, im einfachsten Fall durch die Entwicklung selektiverer Fangtechniken, im holistischsten Ansatz durch einen grundlegend anderen Managementansatz, der auf der Einführung von Fangquoten (statt der bisherigen Anlandequoten) bei gleichzeitiger Deregulierung und Beweislastumkehr beruht. Ferner werden Möglichkeiten untersucht, wie verarbeitende Industrie und Handel stärker am Management beteiligt werden und die manchmal quälend langsamen Entscheidungsprozesse erheblich beschleunigt werden können. Der Vorteil dieser Ansätze ist die Freiwilligkeit der Teilnahme – Stichworte sind Nachhaltigkeitszertifizierung und Herkunftssicherung.
