BaltBox
Kontrolle von Veränderungen in der Bodenfischfauna der westlichen Ostsee von Bernd Mieske
Das langfristige Monitoring der demersalen Fischartengemeinschaften und die Erfassung ihrer natürlichen Variabilität sollen eine Basis für das Erkennen und Bewerten von Eingriffsfolgen liefern. Sie werden auch als eine Möglichkeit gesehen, eventuelle Summationswirkungen aus der Vielzahl von Eingriffen bzw. klimatischen Veränderungen zu erfassen.
Die westliche Ostsee stellt ein Übergangsgebiet zwischen dem marin geprägten Kattegatt und der eigentlichen Ostsee dar. Sie zeichnet sich durch eine thermo- haline Schichtung, einen hohen Salzgehaltsgradienten von West nach Ost sowie eine hohe Dynamik der hydrographischen Parameter aus. Das Fischartenspektrum und die Verbreitung der einzelnen Arten werden stark durch diese natürlichen Phänomene bestimmt.
Das Boxensurvey (BaltBox) wird seit 2003 jeweils im Juni durchgeführt. Die Veränderungen der Fangmassen ohne Berücksichtigung von Hering und Sprott sind in Abbildung 2 bezogen auf überschleppte Fläche veranschaulicht. Die Fangmassen beinhalten zu fast 97 % die fünf Grundfischarten Dorsch, Flunder, Kliesche, Wittling und Scholle. In Abbildung 3 ist die Reihenfolge der Fischarten hinsichtlich der Masse veranschaulicht. Hinsichtlich der gefangenen Individuen in der Summe der 4 Untersuchungsjahre ergibt sich die Reihenfolge: Kliesche (28%), Flunder (25%), Dorsch (19 %), Wittling (10%), gr. Gefleckter Sandaal (10%), Scholle (4%), Tobiasfisch (3%) und alle sonstigen Fischarten (1%).
Im Untersuchungszeitraum 2003 bis 2006 ist hinsichtlich Masse (Abbildung 2) sowie Individuenzahl (Abbildung 4) für die Box Kieler Bucht ein negativer und für die Box Oderbank ein positiver Trend festzustellen. Die Fänge aus der Kieler Bucht werdendurch Klieschen und die Fänge westlich der Oderbank durch Flundern bestimmt. Die von Dorschen geprägten Fänge in der Arkonasee sind hinsichtlich der Individuenzahlen annähernd konstant. Aus der jährlichen Variabilität der Indi-viduenmasse der Dorsche ergibt sich die Schwankung in den Fangmassen (Abbildung 2). Die Fangmasse in der Mecklenburger Bucht wird durch Dorsch, Kliesche und Wittling bestimmt, die Fangmasse vor Jasmund durch Flunder und Dorsch.
Die sonstigen Fischarten
Die in Abbildung 3 unter Sonstige (2%) aufgeführten Fische beinhalten 24 Arten, die im Zeitraum 2003 bis 2006 neben den wichtigsten „Fünf“+ Sandaalen in den Fängen vorhanden waren. Hierzu zählen 8 Arten (Finte, Hornhecht, Ostseeschnäpel, Seehase, Plötze, Atlant. Lachs, Meerforelle, Stint) mit variabler Schwimmhöhe, die mit 1,5 m hoch stauendem Grundschleppnetz nur zufällig erfasst werden. Die nur ein- bis zweimal während der 4 Untersuchungsjahre in Einzelexemplaren in den beiden westlichen Boxen gefangenen Arten Grauer Knurrhahn, Schellfisch, Seezunge, Petermännchen und Stintdorsch wandern selten in das Gebiet der Boxen ein. Zander wurde nur in dem Jahr mit den geringsten Salzgehalten (6,9 %) westlich der Oderbank gefangen, während Flussbarsch in jedem Jahr westlich der Oderbank und vor Jasmund zu fangen war. Regelmäßig werden auch Seeskorpione und Aale in den östlichen Boxen gefangen. Zusammen mit Steinbutt bilden sie den größten Masseanteil (79 %) der Sonstigen. Steinbutt wird zu 81 % Prozent ebenfalls vor Jasmund und westlich der Oderbank gefangenen. Doggerscharbe und Echte Rotzunge wurden regelmäßig in der Kieler Bucht gefangen. Im Gebiet der Boxen kommen vierbärt-lige Seequappe, Aalmutter, Steinpicker und Grundeln vor. Diese Arten können vom verwendeten Grundschleppnetz (Grundtauabstand, Maschenöffnungen der Unterflügel und des vorderen Unterblattes) nicht repräsentativ gefangen werden.
Im Ergebnis des Boxensurveys wird die Bodenfischfauna der westlichen Ostsee von den marinen Arten Dorsch, Flunder, Kliesche, Wittling und Scholle bestimmt. Nur 1,3 % der Masse machen Sandaale und 2 % sonstige Fischarten aus. Die starken jährlichen Veränderungen der Fangmassen, die in der Kieler Bucht und westlich der Oderbank einen Trend aufweisen, können mit den Schwankungen der hydrographischen Werte nicht
vollstängig erklärt werden. Als das artenreichste Gebiet erwies sich die Box westlich der Oderbank.

