Fischereiforschung im
Institut für Ostseefischerei (vTI-OSF)
Das Institut für Ostseefischerei leitet sich historisch aus dem Institut für Meeresforschung (1953-1991) der DDR ab, aus dem nach der Wende das Institut für Ostseefischerei erwachsen ist, das Aufgaben der Ressortforschung für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Ostseeraum wahrnimmt. Sehr verkürzt ist die zweite Hauptaufgabe des Instituts die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen als Entscheidungshilfen für die Lösung fischereipolitischer Aufgaben im Interesse der deutschen Fischerei und des Bundes in der Ostsee. Hinter dieser Zusammenfassung verbirgt sich eine Fülle von Einzelaufgaben, die sich auf die Abschätzung der für die Ostseefischerei wichtigen Fischbestände und deren weitere Entwicklung unter dem Einfluss unterschiedlicher Faktoren konzentrieren.
Forschung im Meer und insbesondere Forschung zu den Fischbeständen (Bestandsforschung) erfordert lange Zeitreihen von Daten, um Aussagen über den augenblicklichen Zustand, vor allem aber um Vorhersagen über die weitere Entwicklung abzuleiten zu können. Hochentwickelte mathematische Modelle sind die Basis für die Berechnungen der Größe von Fischbeständen in den Meeren und deren weiterer Entwicklung (Modellierung). Die Berechnungsergebnisse sind dann die Grundlage für Vorschläge über zulässige Fangmengen, die schließlich in Fangquoten für Fischereiflotten oder Einzelschiffe münden (wissenschaftliche Empfehlungen).
Fischerei hat nur eine Zukunft, wenn das Prinzip der Nachhaltigkeit umgesetzt wird. Darum sind der Vorsorgeansatz und in Nachfolge dessen das Prinzip des Maximalen Dauerertrags (MSY) und die Entwicklung von Nutzungsstrategien, die diesem Ansatz entsprechen, zunehmend Grundlage des Fischereimanagements. Für das OSF ergibt sich daraus die ständige Aufgabe einer Berechnung der Entwicklung von vornehmlich Dorsch, Hering, Sprott und Flunder, konkret um die Veränderungen von Bestandsgröße, Altersstruktur und Wachstum unter den Einflüssen des natürlichen Nachwuchsaufkommens (Rekrutierung), der fischereilichen Entnahme und unterschiedlicher Umweltfaktoren.
Praktisch durchgeführt werden die Forschungsarbeiten anhand von Proben aus den Anlandungen der Fischerei (Anlandestatistik kommerzielle Fänge) und durch regelmäßige Untersuchungsfahrten mit Forschungsschiffen in die Ostsee (Surveys). Dabei werden neben Fängen mit standardisierten Fanggeräten hydroakustische Erfassung der Fischvorkommen und vielfältige Messungen von Umweltfaktoren vorgenommen. Darüber hinaus fahren Mitarbeiter des Instituts immer wieder mit kommerziellen Fischereifahrzeugen zu speziellen Untersuchungen auf See. Die Untersuchungsdaten werden zum einen für die eigenen Auswertungen verwendet, fließen zum anderen aber auch in die Datenbanken des ICES.
Sehr anwendungsbezogen sind die Arbeiten der Fischerei- und Surveytechnischen Abteilung des OSF. Hier wird an der Verbesserung der Selektivität der Netze gearbeitet, damit weniger Fisch unbeabsichtigt mitgefangen wird (Beifang). In dieser Abteilung wird auch an hoch-technischen Unterwasser Beobachtungs- und Datenerfassungssystemen gearbeitet, um z.B. beobachten zu können, wie Fische sich im Fanggerät verhalten.
Im Bereich der Schnittstelle Fischerei und Umwelt werden eine Vielzahl von Fragen des Einflusses der fischereilichen Aktivitäten auf die Meeresumwelt im Kontext der Meeresschutz Rahmenrichtlinie (MSRL) analysiert und bewertet. So stellt sich beispielsweise die Frage nach den Auswirkungen von Windparks oder Brückenbauten auf die Fischbestände oder etwa die Frage welche Art von Fischerei in marinen Schutzgebieten möglich sein sollte.
Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Verbesserung der Händler- und Verbraucherinformation, damit der Händler und Kunde, die Fisch und Fischprodukte kaufen mit so qualifizierter Information versorgt ist, dass sie qualifizierte Kaufentscheidungen treffen können. Basis dafür ist eine schnelle, bis ins Detail korrekte und moderne Information (www.portal-fischerei.de). Mittelbar hängt damit die Möglichkeit zusammen auf das Fischereimanagement Einfluss zu nehmen und Managementmethoden zu entwickeln, die ein regionalspezifisches und nachhaltiges Fischereimanagement und damit ein Erhalt der deutschen Fischerei ermöglichen.








