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Anteile der landwirtschaftlichen Erzeuger an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel in Deutschland 2010 deutlich gestiegen

Marked increase of the farmer’s share of consumer expenditures on food in Germany 2010

Nahrungsmittelpreisen und ihrer Entwicklung wird seit einigen Jahren verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Neben dem Beitrag der Nahrungsmittelpreise zur Inflationsentwicklung liegt ein Fokus des Interesses auch auf dem Umfang von Handels- und Verarbeitungsspannen. Die aktuell für das Kalenderjahr 2010 durchgeführten Berechnungen weisen einen deutlichen Rückgang der Handels- und Verarbeitungsspanne und gleichbedeutend damit einen Anstieg des Anteils der Erzeugererlöse gegenüber dem Vorjahr aus. Der Erzeugeranteil lag 2010 Über alle erfassten Produktgruppen hinweg bei 23,9 % und erreicht etwa wieder die Werte wie vor der Preishausse 2007/2008. (Vorjahr 20,8 %; vgl. Tabelle und Schaubild). Die Berechnung des Anteils der Erzeugererlöse, wie sie neben anderen Spannenberechnungen seit 1970 am Institut für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik des von Thünen-Instituts (vTI-MA) in Braunschweig durchgeführt wird, liefert nützliche Anhaltspunkte für die Analyse des Preisbildungsprozesses bei Nahrungsmitteln.

In dieser Berechnung werden die Erlöse für wesentliche landwirtschaftliche Produkte, die von der deutschen Landwirtschaft für Nahrungszwecke im Inland verkauft wurden, den Ausgaben der Verbraucher für die daraus hergestellten Nahrungsmittelmengen gegenübergestellt.

Langfristig sinkt der Anteil der Erzeugererlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungs-mittel inländischer Herkunft im Zuge der fortschreitenden volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung, einer zunehmenden Differenzierung der Verbraucherwünsche und vermehrter Nachfrage nach komplementären Sach- und Dienstleistungen. Entsprechend ist der Anteil der Erzeugerlöse an den Verbraucherausgaben von ca. 50 % Anfang der siebziger Jahre auf nun-mehr weniger als 25 % zurückgegangen. Die Bedeutung komplementärer Sach- und Dienstleistungen hat insbesondere bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen zugenommen und erheblich zum Rückgang des Erzeugeranteils insgesamt beigetragen.

Für die Berechnungen werden auf beiden Seiten vergleichbare Größen benötigt. Dafür sind Korrekturen an den statistischen Ausgangsdaten erforderlich: Exporte, der Wert der bei der Verarbeitung anfallenden Nebenprodukte sowie der an die Mehrwertsteuer gebundene Aufwertungsausgleich sind in den Erzeugererlösen nicht enthalten. Bei den Erzeugerpreisen sind die Produktionsabgaben bzw. Mitverantwortungsabgaben nicht abgezogen. Die bereinigten Erzeugererlöse umfassen etwas mehr als die Hälfte der gesamten Verkaufserlöse der deutschen Landwirtschaft. Nicht erfasst sind insbesondere Futtergetreide, Gartenbauerzeugnisse und Wein. Der starke Rückgang des Erzeugeranteils bei Eiern ab dem WJ 2004/05 beruht in erheblichem Maß darauf, dass sich die verfügbaren Preise auf Erzeuger- und Verbraucherebene zumindest für einige Jahre auf unterschiedliche Haltungsformen der Legehennen beziehen und daher nur eingeschränkt vergleichbar sind.

Die Verbrauchsmengen an Nahrungsmitteln werden unter Berücksichtigung von Verlust-, Verwendungs- und Ausbeutekoeffizienten errechnet. Diese Mengen werden mit Durchschnittspreisen bewertet, die bis Ende der 1990er Jahre aus den Wirtschaftsrechnungen des 4-Personen-Arbeitnehmerhaus¬halts mit mittlerem Einkommen (Haushaltstyp 2) errechnet wurden. Seit diese Quelle zur Preisermittlung nicht mehr zur Verfügung steht, werden Verbraucherpreise aus verschiedenen Quellen genutzt. Die meisten stammen aus den Panelerhebungen der GfK, einige stammen von der ZMP/AMI bzw. dem Statistischen Bundesamt. Eine Rückrechnung für die Vorperioden scheitert an nicht verfügbaren Daten. Daraus ergeben sich gewisse Verzerrungen der Ergebnisse im Zeitablauf. Auch die Nichtberücksichtigung des Außer-Haus-Verzehrs bewirkt eine Verzerrung der Ergebnisse. Eine laufende Aktualisierung der Berechnungen hinsichtlich der verfügbaren Datenbasis sowie der zugrunde liegenden Annahmen ist für die Aussagekraft der Ergebnisse wichtig. Eine solche Aktualisierung ist z.B. die gesonderte Erfassung von Pasta filata Käse in den Berechnungen für die Kalenderjahre bei Milch ab 2005.

Die Berechnungen für die Wirtschaftsjahre werden in Anlehnung an die schon länger angewandten Berichtszeiträume der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung seit dem Wirtschaftsjahr 2008/09 nicht fortgesetzt. An ihre Stelle treten die Berechnungen für Kalenderjahre, die parallel seit 2005 errechnet wurden. Dabei sind Abweichungen zwischen den Ergebnissen für die unterschiedlichen Betrachtungszeiträume zu erkennen, die aber durchaus plausibel sind.

Die Interpretation der Ergebnisse sollte aufgrund ihres Schätzcharakters vorsichtig und nicht vorschnell erfolgen. Die zugrunde liegenden Annahmen sowie die Veränderungen in den verwendeten Variablen müssen berücksichtigt werden. Bei Verwendung der Ergebnisse für politische Entscheidungen, sind weitere Informationen und Einflussfaktoren ergänzend in die Betrachtung einzubeziehen.

 

Schlüsselwörter: Berechnung Erzeugeranteil; Marktspanne; Preisbildung Nahrungsmittel

Keywords: Marketing margins; farm-retail price ratio; farmer’s share; food prices

Berechnungskonzept:

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Wendt, Heinz (1998)
    Anteile der landwirtschaftlichen Erzeugererlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel in Deutschland : Aktualisiertes Konzept und Ergebnisse.
    Agrarwirtschaft, Band 47, Heft 8/9, Seiten 361-367, deutsch
    ISSN: 0002-1121
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