Ergebnisberichte der ökonomischen Begleitforschung zum Bundesmodellvorhaben „Schulmilch im Fokus“
Den Verbrauch von Milchprodukten, die wichtige Proteine, Vitamine und Mineralstoffe beinhalten, zu steigern, ist das Ziel des Europäischen Schulmilchprogramms (VO (EG) Nr. 657/2008). Im Rahmen des Europäischen Schulmilchprogramms erhalten Schüler bzw. Kinder in schulischen Einrichtungen durch eine Beihilfe verbilligte Milch und bestimmte Milcherzeugnisse. „Das Programm soll gesunde Ernährung sowohl praktisch als auch pädagogisch vermitteln und trägt damit zum Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern bei. Durch das Schulmilchprogramm sollen Kinder mit Qualitätsprodukten versorgt, eine gesündere Art zu leben gefördert und das Wissen im Bereich Ernährung gesteigert werden“ (Europäische Kommission 2012).
Als zentrales Element der ökonomischen Begleitforschung sollten die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Schulmilchnachfrage quantifiziert werden. Als wesentlicher Bestimmungsfaktor wird zwar der Preis angesehen, aber auch weitere Faktoren sollen berücksichtigt werden. Grundlage für die Analyse bilden Nachfragemodelle auf Ebene der Schulen, der Klassen und der Grundschüler.
Die zu erklärende Variable ist jeweils die durchschnittliche Bestellmenge je Schulkind und Schultag beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass ein Grundschulkind Schulmilch konsumiert. Dabei soll die abhängige Variable „Schulmilchnachfrage“ durch die unabhängigen Variablen Preis der Schulmilchprodukte, Bevölkerungsdichte (städtische oder ländliche Region), der Anteil der Schulmilchkonsumenten, der Sozialindex des Kreises bzw. der kreisfreien Städte, in der die Grundschule liegt, Ganztags- oder Halbtagsschule, Bildungsangebot über gesunde Ernährung in der Schule, Aufklärungsmaßnahmen durch Landfrauen, die angebotene Produktpalette und die Einstellung der Schulleitung zur Schulmilch erklärt werden.
Zur Gewinnung der notwendigen Variablen wird ein Preisexperiment in Nordrhein-Westfalen durchgeführt, in dessen Rahmen die Preise für Schulmilch in einem gewissen Zeitraum verändert und die Bestellmengen erfasst werden. Zusätzlich werden verschiedenen Akteure befragt. Mittels der Bestelldaten, der Preisinformationen, der sonstigen beschreibenden Variablen, der sozioökonomischen Faktoren und der aggregierten Befragungsergebnisse werden verschiedene Modelle entwickelt und geschätzt.
Teilprojekt 4: Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für neue Schulmilchprodukte
Der Katalog beihilfefähiger Produkte, aber auch zusätzliche Beschränkungen der einzelnen Mitgliedsstaaten, limitieren das Angebot an Milchprodukten im Rahmen des Schulmilchprogramms. Dabei könnte ein breiteres Angebot die Absatzchancen deutlich verbessern. Eine Erweiterung der Schulmilchpalette kann dabei dann einen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage haben, wenn dadurch mehr Schüler Schulmilch konsumieren. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu untersuchen, was für Produkte von Eltern, wie auch Schulkindern selbst, präferiert werden. Außerdem sollten sowohl verschiedene Produkte (z. B. Milch, Joghurt, Quark) als auch bestimmte Produkteigenschaften (z. B. Fettgehalt, Süßungsmittel) in die Überlegungen mit einbezogen werden, um die unterschiedlichen Aspekte der beihilfefähigen Produktpalette zu berücksichtigen.
Ziel ist es, herauszufinden, welche Produkte aber auch welche Produkteigenschaften bei Eltern wie auch Kindern besonders stark oder wenig geschätzt werden. Daraus soll eine mögliche Erweiterung der Schulmilchpalette abgeleitet werden, um gegebenenfalls den Absatz an Schulmilch zu erhöhen. Insbesondere mit Hilfe einer Zahlungsbereitschaftsanalyse soll herausgefunden werden, ob bestimmte Produkteigenschaften den erzielbaren Preis erhöhen oder verringern. Für die Analyse der Zahlungsbereitschaft wurde ein Choice-Experiment angewendet.
Teilprojekt 6: Preiselastizität der Milchnachfrage
Als eine weitere wesentliche Frage wird angesehen, wie sich die Elastizitäten in der Nachfrage nach Milch und Milchprodukten deutschlandweit entwickelt haben und ob es Unterschiede zwischen Haushalten mit Kindern und kinderlosen Haushalten gibt. Im vorliegenden Teilprojekt 6 werden daher nationale differenzierte Preis- und Einkommenselastizitäten ermittelt. Dabei wird auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zurückgegriffen, die sowohl sozioökonomische Aspekte als auch regionale Differenzierungen berücksichtigen.
Die Vorgehensweise ist folgende: Die monatlichen Daten der GfK beziehen sich auf die Jahre 2005 bis 2009. Sie werden in einem gemeinsamen Datensatz zusammengefasst und bereinigt, so dass die Daten dann die Grundlage für die Schätzung eines Nachfragesystems für Milch und Milchprodukte bilden. Die Schätzung eines Nachfragesystems wird angestrebt, damit Preis- und Substitutionseffekte aller Milchprodukte adäquat simultan erfasst werden. In diesem Zusammenhang wird das Nachfragesystem für die folgenden drei Haushaltsgruppen abgeleitet: alle Haushalte, Haushalte mit Kindern und kinderlose Haushalte. Die geschätzten Parameter werden anschließend zur Berechnung der Elastizitäten verwendet. In einem weiteren Schritt wird eine übergeordnete Produktgruppe geschätzt, die Milch und Milchprodukte als eine Gruppe, Fleisch und Fleischwaren als weitere Gruppe, sowie Obst, Gemüse und alkoholfreie Getränke als dritte Gruppe umfasst.
